Vegane Siegel und Labels in Österreich
Weil "vegan" auf Verpackungen rechtlich nicht definiert ist, geben unabhängige Siegel die verlässlichste Orientierung beim Einkauf. Das Österreichische Lebensmittelbuch hat zwar seit Ende 2023 eine Leitlinie für pflanzliche, vegane und vegetarische Lebensmittel, bindend ist sie aber nicht. Dieser Überblick zeigt, welches Siegel was prüft.
Das V-Label
Das V-Label wurde 1996 in der Schweiz gegründet und feiert 2026 sein 30-jähriges Bestehen. Laut ProVeg tragen heute über 70.000 Produkte von rund 4.800 Unternehmen in mehr als 50 Ländern das Siegel.
In Österreich vergibt die Vegane Gesellschaft Österreich das V-Label seit 2002 und zertifiziert aktuell über 11.000 Produkte. Die ersten Lizenznehmer waren Wojnar's und Billa mit der Marke Vegavita. In Deutschland betreut ProVeg das Siegel, die Lizenzrechte hält die V-Label GmbH in Winterthur.
Was das V-Label prüft
Die V-Label-Kriterien gelten für alle Produktions- und Verarbeitungsstufen:
- Zutaten: keine Erzeugnisse tierischen Ursprungs
- Zusatzstoffe, Aromen, Enzyme und Trägerstoffe: keine tierischen Bestandteile
- Verarbeitungshilfsstoffe: ebenfalls tierfrei, auch wenn sie nicht auf der Packung stehen
- Vor-Ort-Audits: unabhängige Kontrollstellen prüfen die Betriebe regelmäßig
- Kreuzkontamination: Ziel ist ein Anteil unter 0,1 Prozent im Endprodukt
Gerade die Verarbeitungshilfsstoffe sind der Unterschied zur reinen Zutatenliste: Ein Saft kann mit Gelatine geklärt werden, ohne dass es auf dem Etikett steht. Mehr dazu in Ist Saft vegan? und Ist Wein vegan?.
Das Design seit 2023
Seit 2023 unterscheidet das V-Label seine beiden Varianten klarer: Das vegane Logo bleibt grün auf gelb, vegetarische Produkte tragen gelbe Schrift auf grünem Grund. Achte beim Einkauf deshalb auf das Wort "vegan" im Logo.
Weitere Siegel
| Siegel | Herausgeber | Besonderheit |
|---|---|---|
| V-Label vegan | V-Label GmbH, in Österreich Vegane Gesellschaft Österreich | 70.000 Produkte weltweit, Vor-Ort-Audits |
| Veganblume | The Vegan Society (UK) | Über 60.000 Produkte, schließt zusätzlich Tierversuche aus |
| Bio Austria Vegan | Bio Austria | Bio und vegan in einem Logo, seit 2025 |
| Biozyklisch-vegan | Biozyklisch-Veganer Anbau | Anbau ohne Tierhaltung und tierische Betriebsmittel |
Die Veganblume
Das Sonnenblumen-Logo der britischen Vegan Society ist das älteste vegane Prüfsiegel und stammt aus dem Jahr 1990. Laut Vegan Society tragen es über 60.000 Produkte, darunter Lebensmittel, Kosmetik und Kleidung. Zusätzlich dürfen die Produkte nicht an Tieren getestet werden.
Bio Austria Vegan
Das neue Logo wurde am 1. November 2025 am Weltvegantag vorgestellt. Es kennzeichnet Produkte, die biologisch zertifiziert und vegan sind, ohne dass Hersteller eine zusätzliche externe Zertifizierung brauchen. Pflanzliche Alternativen machen laut Bio Austria bereits 28 Prozent des Bio-Sortiments im Lebensmittelhandel aus.
Biozyklisch-vegan
Das Siegel "Aus biozyklisch-veganem Anbau" betrifft nicht die Verarbeitung, sondern den Anbau: Die Betriebe halten keine Nutztiere und verwenden keine Betriebsmittel tierischen Ursprungs. Es setzt die EU-Bio-Verordnung voraus.
Siegel im Supermarkt
Billa kennzeichnet seine Eigenmarke Vegavita mit dem V-Label, zusätzlich steht "Rein pflanzlich" an den Preisschildern. Die Sortimente der Händler findest du in unseren Einkaufsguides:
Spurenhinweise bei veganen Produkten
Der Hinweis "Kann Spuren von Milch enthalten" ist freiwillig und schützt Hersteller vor Haftungsfragen bei Allergien. Laut ProVeg bedeutet er nicht, dass tierische Inhaltsstoffe enthalten sind. Entscheidend ist, dass sie nicht absichtlich und regelmäßig zugesetzt werden.
Ohne Siegel einkaufen
Fehlt ein Siegel, hilft ein Blick auf die Zutatenliste. Diese E-Nummern sind tierischen Ursprungs:
- E120 (Karmin): roter Farbstoff aus Schildläusen, etwa in Fruchtjoghurts und roten Süßigkeiten
- E441 (Gelatine): aus Tierknochen und -haut, etwa in Gummibärchen
- E901 (Bienenwachs): Überzugsmittel bei Süßigkeiten und Kaffeebohnen
- E542 (Knochenphosphat): in manchen Backpulvern und Backmischungen
- E904 (Schellack): Glanzüberzug aus Lackschildläusen
Mehr zu versteckten Zusatzstoffen findest du im Aromen-Guide. Für den schnellen Check im Laden zeigt der Vergleich der Scanner-Apps, welche App Barcodes zuverlässig prüft.
Wer neu startet, findet den Einstieg im Guide Vegan werden - der erste Schritt.
Häufige Fragen
- Was bedeutet das V-Label auf Lebensmitteln?
- Das V-Label garantiert, dass ein Produkt weder in den Zutaten noch in Zusatzstoffen, Aromen, Enzymen oder Verarbeitungshilfsstoffen tierische Bestandteile enthält. Unabhängige Kontrollstellen prüfen die Betriebe vor Ort. Weltweit tragen über 70.000 Produkte das Siegel, in Österreich vergibt es die Vegane Gesellschaft Österreich.
- Was ist der Unterschied zwischen V-Label und Veganblume?
- Das V-Label kommt von der V-Label GmbH in der Schweiz und wird in Österreich von der Veganen Gesellschaft Österreich vergeben. Die Veganblume (Sonnenblume) gehört der britischen Vegan Society und schließt zusätzlich Tierversuche aus, die das Unternehmen selbst veranlasst. Beide Siegel stehen für geprüft vegane Produkte, nur die Prüfstellen und Zusatzkriterien unterscheiden sich.
- Ist der Begriff "vegan" auf Verpackungen gesetzlich geschützt?
- Nein. Weder die EU noch Österreich definieren "vegan" rechtsverbindlich. Das Österreichische Lebensmittelbuch enthält seit Ende 2023 eine Leitlinie, die Hersteller beim täuschungsfreien Auftritt pflanzlicher Produkte unterstützt, sie ist aber nicht bindend. Ein unabhängiges Siegel wie das V-Label gibt dir deshalb mehr Sicherheit als die bloße Aufschrift "vegan".
- Ist ein Produkt mit "Kann Spuren von Milch enthalten" noch vegan?
- In der Regel ja. Der Hinweis ist eine Vorsichtsmaßnahme für Allergiker und bedeutet, dass auf derselben Anlage auch andere Produkte laufen. Entscheidend ist, dass keine tierischen Zutaten absichtlich zugesetzt werden. Das V-Label akzeptiert solche Produkte, wenn der Hersteller Reinigungsprotokolle einhält. Wer ganz sichergehen will, greift zu Produkten ohne Spurenhinweis.
- Was ist das Bio-Austria-Vegan-Logo?
- Es ist ein eigenes Logo von Bio Austria für Produkte, die biologisch zertifiziert und vegan sind. Vorgestellt wurde es am Weltvegantag, dem 1. November 2025. Verarbeitungs- und Mitgliedsbetriebe können es seit Januar 2025 nutzen. Es ersetzt kein V-Label, sondern ergänzt das Bio-Angebot um eine eigene vegane Kennzeichnung.
- Was kostet das V-Label die Hersteller?
- Hersteller zahlen eine einmalige Prüfgebühr und eine jährliche Lizenzgebühr, beide richten sich nach Unternehmensdaten und Produktanzahl. Dazu kommen Kosten für die Vor-Ort-Inspektion, die laut V-Label im Lebensmittelbereich meist zwischen 450 und 1.200 Euro liegen. Für dich als Käufer entsteht kein Mehraufwand, das Siegel erkennst du direkt auf der Packung.
- Welche E-Nummern sind tierischen Ursprungs?
- Häufige Beispiele sind E120 (Karmin aus Schildläusen), E441 (Gelatine), E542 (Knochenphosphat), E901 (Bienenwachs) und E904 (Schellack). Bei Produkten mit V-Label musst du die Zutatenliste nicht selbst durchsuchen, weil diese Stoffe ausgeschlossen sind. Ohne Siegel lohnt der Blick auf die E-Nummern in der Zutatenliste.