Ölziehen: Wirkung, Anleitung und die beste Ölwahl

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Ölziehen ist eine jahrtausendealte Praxis aus dem Ayurveda, bei der man Pflanzenöl für mehrere Minuten im Mund spült. Was früher als exotische Randmethode galt, rückt seit einigen Jahren ins Blickfeld der Zahnforschung - mit interessanten Ergebnissen.

Was ist Ölziehen und woher kommt diese Methode?

Beim Ölziehen (englisch: "oil pulling") nimmt man einen Esslöffel pflanzliches Öl in den Mund und bewegt es 10-20 Minuten lang durch die Zahnzwischenräume. Die Methode stammt aus dem Ayurveda, der traditionellen indischen Heilkunde, und wird dort seit über 3.000 Jahren praktiziert. Laut einer Übersichtsarbeit im PMC (2017) wurde Ölziehen traditionell vor allem bei Zahnfleischerkrankungen und Mundgeruch eingesetzt.

Der Gedanke dahinter: Das Öl nimmt Bakterien und Beläge aus dem Mundraum auf und trägt sie beim Ausspucken mit sich.

Was sagt die Wissenschaft? Studien zur Wirkung von Ölziehen

Die Forschungslage ist differenziert. Eine Meta-Analyse von Peng et al. (2022) analysierte mehrere Studien und kommt zum Ergebnis: Die Anzahl der Bakterienkolonien im Speichel wurde durch Ölziehen statistisch signifikant reduziert - verglichen mit Kontrollgruppen.

Eine systematische Übersichtsarbeit von Jong et al. im International Journal of Dental Hygiene (2024) verglich Ölziehen mit Chlorhexidin-Mundspülungen und anderen Interventionen. Ergebnis: antibakterielle Effekte bestätigt, bei Plaque- und Gingivitis-Werten aber gemischte Ergebnisse - weitere hochwertige Studien sind nötig.

Was die Studien zeigen:

Effekt Wissenschaftliche Evidenz
Bakterienreduktion im Speichel Gut belegt durch Meta-Analysen
Mundgeruchsreduktion In Einzelstudien positiv
Plaque-Reduktion Gemischte Evidenz
Zahnfleischentzündung Hinweise vorhanden, nicht eindeutig belegt
Zahnaufhellung Nicht ausreichend wissenschaftlich belegt

Welches Öl eignet sich am besten zum Ölziehen?

Drei pflanzliche Öle haben sich in Praxis und Forschung etabliert:

Kokosöl ist heute das beliebteste Öl für Ölziehen. Es enthält rund 50% Laurinsäure, die laut einer Studie in Heliyon (2020) antimikrobielle Eigenschaften gegen Streptococcus mutans - einen Hauptverursacher von Karies - zeigt. Kokosöl ist bei Zimmertemperatur fest, schmilzt aber schnell im Mund. Mehr zu den Eigenschaften von Kokosöl in der Mundpflege liest du im Artikel Kokosöl für die Mundhygiene.

Sesamöl ist das klassische Ayurveda-Öl und in den meisten wissenschaftlichen Studien untersucht. Es ist flüssig, hat einen milden, leicht nussigen Geschmack und enthält Vitamin E sowie Lignane mit antioxidativen Eigenschaften.

Olivenöl funktioniert ebenfalls und ist in Österreich leicht erhältlich. Kaltgepresstes, natives Olivenöl enthält Polyphenole mit antientzündlichen Eigenschaften.

Alle drei Öle sind rein pflanzlich - ideal für vegane Mundhygiene. Welche anderen veganen Optionen es für die Zahnpflege gibt, erklärt der vegane Zahnpflege-Guide.

Wie funktioniert Ölziehen richtig? Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Morgens auf nüchternen Magen - vor dem Frühstück, vor dem Zähneputzen
  2. 1 Esslöffel Öl in den Mund nehmen (10-15 ml)
  3. 10-20 Minuten sanft spülen - das Öl durch die Zähne ziehen, nicht zu fest - die Kiefermuskeln sollten nicht ermüden
  4. In den Mülleimer ausspucken - nicht ins Waschbecken (das Öl enthält nun Bakterien und kann Rohre verstopfen)
  5. Mund mit warmem Wasser ausspülen
  6. Danach Zähne putzen wie gewohnt

Wichtig: Das Öl niemals schlucken - es hat beim Spülen Bakterien und Stoffwechselprodukte aufgenommen.

Beim Einstieg empfiehlt sich eine kürzere Dauer von 5 Minuten. Viele steigern sich dann auf die empfohlenen 15-20 Minuten. Die Zeit lässt sich gut nutzen - unter der Dusche oder beim Aufräumen.

Wie lange und wie oft sollte man Ölziehen?

Die klassische Empfehlung lautet täglich, morgens auf nüchternen Magen. Die in Studien untersuchten Zeiträume lagen meist bei 2-4 Wochen täglicher Anwendung.

Wer täglich keine Zeit findet: 3-4 Mal pro Woche gilt ebenfalls als sinnvoll. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Regelmäßigkeit über einen längeren Zeitraum.

Kann Ölziehen bei Zahnfleischproblemen helfen?

Einzelne Studien deuten darauf hin, dass Ölziehen Entzündungsparameter im Zahnfleisch beeinflussen kann. Laut einer Übersichtsarbeit im PMC (2016) wurden in einigen Studien reduzierte Gingivitis-Werte beobachtet.

Bei Verdacht auf Parodontose sollte immer ein Zahnarzt aufgesucht werden - das ist eine ernsthafte Erkrankung, die professionelle Behandlung erfordert. Die DAK-Gesundheit beschreibt Ölziehen als ergänzende Methode, die bestehende Zahnarztbesuche nicht ersetzt.

Übrigens: Die Verbindung zwischen Mundgesundheit und dem Darmmikrobiom wird zunehmend erforscht - ein Grund mehr, die Mundflora zu pflegen. Mehr dazu im Artikel über vegane Probiotika und Präbiotika.

Was sollte man beim Ölziehen beachten?

Als weitere pflanzliche Ergänzung zur Mundhygiene empfiehlt sich auch ein DIY-Mundwasser aus pflanzlichen Zutaten - oder ein Blick in den veganen Zahnpasta-Kaufguide für zertifizierte vegane Produkte.

Quellen:

Häufige Fragen

Wie lange soll man Ölziehen?
Die klassische Ayurveda-Empfehlung lautet 15-20 Minuten. Viele Studien haben Zeiträume ab 10 Minuten untersucht. Steige ruhig mit 5 Minuten ein und steigere dich langsam - wichtig ist, nicht zu fest zu spülen, damit der Kiefermuskel nicht ermüdet.
Welches Öl eignet sich am besten zum Ölziehen?
Am häufigsten werden Kokosöl und Sesamöl verwendet. Kokosöl enthält Laurinsäure mit antibakteriellen Eigenschaften und ist sehr beliebt. Sesamöl ist das traditionelle Ayurveda-Öl und in den meisten Studien untersucht. Olivenöl funktioniert ebenfalls gut.
Was bewirkt Ölziehen wirklich?
Meta-Analysen zeigen, dass Ölziehen die Bakterienanzahl im Speichel statistisch signifikant reduzieren kann. Bei Plaque-Reduktion und Zahnfleischentzündung ist die Evidenz gemischter. Ölziehen gilt als sinnvolle Ergänzung - kein Ersatz - für die tägliche Mundhygiene.
Wie oft sollte man Ölziehen?
Die Empfehlung lautet täglich, morgens auf nüchternen Magen vor dem Frühstück. In den untersuchten Studien wurde eine tägliche Anwendung über 2-4 Wochen durchgeführt. 3-4 Mal pro Woche gilt ebenfalls als sinnvoll.
Kann Ölziehen bei Parodontose helfen?
Einzelne Studien deuten auf eine Reduktion von Entzündungsmarkern im Zahnfleisch hin. Parodontose ist eine ernsthafte Erkrankung, bei der immer ein Zahnarzt konsultiert werden sollte. Ölziehen kann begleitend eingesetzt werden, ist aber keine medizinische Behandlung.
Wann sollte man Ölziehen - morgens oder abends?
Morgens auf nüchternen Magen gilt als ideal - über Nacht sammeln sich Bakterien im Mund an. Direkt nach dem Aufwachen, vor dem Frühstück und vor dem Zähneputzen. So werden die Bakterien ausgespuckt, bevor sie durch Essen oder Trinken weiterverteilt werden.
Darf man das Öl beim Ölziehen schlucken?
Nein, auf keinen Fall! Das Öl sammelt beim Spülen Bakterien und deren Stoffwechselprodukte an. Immer in den Mülleimer ausspucken - nicht ins Waschbecken (Rohre verstopfen). Danach mit warmem Wasser ausspülen und Zähne wie gewohnt putzen.