Welche Rechte haben Veganer:innen?

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Laut der Veganen Gesellschaft Österreich (2024) leben bereits 9,6 Prozent der österreichischen Bevölkerung vegan oder vegetarisch - doppelt so viele wie noch 2017. Mit dieser wachsenden Zahl wächst auch die Frage: Welche rechtlichen Schutzrechte haben Veganer:innen? Ein dänisches Bezirksgericht entschied im Februar 2024 als erstes europäisches Gericht, dass Veganismus unter den Schutz der Europäischen Menschenrechtskonvention fällt. Die vegane Rechtslage entwickelt sich.

Ist Veganismus eine geschützte Weltanschauung?

Diese Frage ist zentral - und sie wird von Gerichten zunehmend bejaht.

Grossbritannien, 2020: Im Verfahren Casamitjana Costa v League Against Cruel Sports entschied ein britisches Employment Tribunal, dass ethischer Veganismus eine geschützte philosophische Überzeugung im Sinne des Equality Act 2010 ist. Voraussetzung ist, dass die Überzeugung tief verwurzelt, ernsthaft und mit der Menschenwürde vereinbar ist - all das trifft auf ethischen Veganismus zu.

Dänemark, 2024: Am 8. Februar 2024 urteilte das Bezirksgericht Hjørring in einem Kindergartenfall: Veganismus fällt unter Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Gedanken-, Gewissens- und Weltanschauungsfreiheit) in Verbindung mit dem Diskriminierungsverbot aus Artikel 14. Die Familie hatte geklagt, weil der Kindergarten weder veganes Essen anbot noch erlaubte, solches von zu Hause mitzubringen.

Deutschland: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Benachteiligungen aufgrund der Weltanschauung. Da ethischer Veganismus als Weltanschauung gilt, greift dieser Schutz grundsätzlich auch hier.

In Österreich gibt es noch kein explizites Gesetz, das Veganer:innen als Gruppe schützt. Das Gleichbehandlungsgesetz erfasst jedoch Diskriminierungen aufgrund der Weltanschauung - und damit in der Praxis auch ethischen Veganismus.

Welche Rechte habe ich als Veganer:in in Österreich?

Die Vegane Gesellschaft Österreich beschreibt die österreichische Rechtslage so: Es gibt keinen expliziten Anspruch auf vegane Ernährung in öffentlichen Einrichtungen, aber diskriminierende Behandlung aufgrund der veganen Weltanschauung ist grundsätzlich unzulässig.

Was das konkret bedeutet:

Was gilt am Arbeitsplatz?

Wer aus ethischen Gründen vegan lebt, ist am Arbeitsplatz durch das österreichische Gleichbehandlungsgesetz geschützt. Diskriminierung aufgrund der Weltanschauung ist verboten - das schließt vegane Überzeugungen ein.

Praktisch relevante Situationen:

Was sind meine Rechte in Schulen, Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen?

Wie die Vegane Gesellschaft Österreich dokumentiert, ist die Lage in Krankenhäusern, Schulen und Kasernen noch unbefriedigend: Ein einklagbares Recht auf vegane Kost existiert nicht.

Was aber funktioniert:

Die Vegane Gesellschaft Österreich kämpft mit dem Projekt "Vegane Option" dafür, vegane Gerichte in öffentlichen Einrichtungen zum Standard zu machen.

Wie müssen vegane Lebensmittel gekennzeichnet sein?

Eine EU-weite Pflicht zur Kennzeichnung veganer Produkte gibt es nicht. Die Lebensmittel-Informationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011 regelt allgemeine Kennzeichnungspflichten, aber die Angabe "vegan" ist freiwillig.

Was als Orientierung hilft:

Im Oktober 2025 stimmte das EU-Parlament dafür, traditionelle Fleischbezeichnungen nur noch für tierische Produkte zu reservieren. Die Resolution muss noch von den Mitgliedstaaten bestätigt werden - die Debatte über vegane Produktnamen bleibt aktuell.

Was kann ich tun, wenn ich diskriminiert werde?

Wenn du dich als Veganer:in diskriminiert fühlst, gibt es konkrete Schritte:

  1. Dokumentieren: Halte Vorfälle schriftlich fest - Datum, Ort, beteiligte Personen
  2. Gleichbehandlungsstelle wenden: In Österreich ist die Gleichbehandlungsanwaltschaft zuständig; Beratung ist kostenlos
  3. Vegane Gesellschaft kontaktieren: Die Vegane Gesellschaft Österreich bietet Informationen und Vernetzung
  4. Rechtliche Beratung: Für konkrete Diskriminierungsfälle empfiehlt sich ein:e Anwält:in mit Schwerpunkt Gleichbehandlungsrecht

Weitere Infos zum Thema Veganismus und seine gesellschaftliche Stellung findest du in unseren Artikeln über Veganismus als Lebensphilosophie und ob Veganismus eine Religion ist. Wenn du gerade erst mit dem veganen Leben beginnst, hilft unser Leitfaden Vegan werden.

Häufige Fragen

Ist Veganismus in Österreich eine geschützte Weltanschauung?
Österreich schützt vor Diskriminierung aufgrund der Weltanschauung im Gleichbehandlungsgesetz - und ethischer Veganismus gilt als Weltanschauung. Einen expliziten Spezialschutz für Veganer:innen gibt es noch nicht, aber internationale Urteile (UK 2020, Dänemark 2024) stärken die Position.
Darf ein Arbeitgeber vegane Überzeugungen ignorieren?
Nein. Das österreichische Gleichbehandlungsgesetz verbietet Diskriminierung aufgrund der Weltanschauung am Arbeitsplatz. Wer als Veganer:in im Job benachteiligt wird - zum Beispiel bei Firmenevents mit ausschließlich tierischen Speisen - kann rechtliche Schritte einleiten.
Habe ich ein Recht auf veganes Essen im Krankenhaus?
Ein einklagbares Recht auf vegane Kost in Krankenhäusern gibt es in Österreich noch nicht. Viele Kliniken bieten jedoch vegane Optionen an, wenn man es rechtzeitig - am besten bei der Anmeldung - angibt. Die Vegane Gesellschaft Österreich setzt sich mit dem Projekt "Vegane Option" aktiv dafür ein, dies als Standard einzuführen.
Was entschied das dänische Gericht 2024?
Ein Bezirksgericht in Hjørring entschied am 8. Februar 2024, dass Veganismus unter Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention fällt (Gewissens- und Weltanschauungsfreiheit). Ein Kindergarten hatte einer veganen Familie verboten, veganes Mittagessen mitzugeben - das Gericht wertete das als Diskriminierung.
Was besagt das britische Urteil von 2020?
Im Fall Casamitjana Costa gegen League Against Cruel Sports urteilte ein britisches Employment Tribunal 2020, dass ethischer Veganismus eine geschützte philosophische Überzeugung im Sinne des Equality Act 2010 ist. Das ist das erste Mal, dass ein Gericht dies explizit feststellte.
Wie müssen vegane Produkte in Österreich und Deutschland gekennzeichnet sein?
Vegane Kennzeichnung ist in der EU freiwillig - es gibt keine EU-weite Pflicht zum "vegan"-Label. In Deutschland legt eine Leitsatzregelung der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission fest, wann ein Produkt als vegan bezeichnet werden darf. Das V-Label oder PETA-Siegel bieten zuverlässige Orientierung.
Gibt es in anderen Ländern stärkere vegane Rechte?
Ja. Portugal verpflichtet öffentliche Kantinen seit 2017 per Gesetz, eine vegane Option anzubieten. Das UK schützt Veganer:innen seit 2020 explizit im Equality Act. Dänemark erkannte 2024 als erstes Land Veganismus unter der Europäischen Menschenrechtskonvention an.
Was ist der Unterschied zwischen ethischem und diätetischem Veganismus?
Ethischer Veganismus basiert auf einer Weltanschauung - der Überzeugung, dass die Ausbeutung von Tieren falsch ist. Diätetischer Veganismus meint das reine Meiden tierischer Lebensmittel aus gesundheitlichen Gründen. Rechtlich relevant ist vor allem der ethische Veganismus, da dieser als Weltanschauung anerkannt werden kann.