Geschichte des Veganismus: Von der Antike bis heute
Du denkst, Veganismus ist ein moderner Trend? Weit gefehlt! Die Geschichte der pflanzlichen Ernährung reicht über 2.500 Jahre zurück und ist eng mit Philosophie, Religion und ethischen Überzeugungen verknüpft. Lass uns gemeinsam auf eine Zeitreise gehen.
Die Anfänge in der Antike
Pythagoras – der erste prominente Vegetarier
Als einer der ersten großen Vegetarier der Geschichte gilt der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras (circa 570–500 v. Chr.). Sein berühmter Ausspruch "Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück" zeigt seine ethische Haltung gegenüber Tieren. Er lehnte nicht nur religiöse Tieropfer ab, sondern verzichtete auch komplett auf Fleisch.
Die griechischen Orphiker
Noch vor Pythagoras, um 600 v. Chr., lebten die Orphiker bereits fleischfrei. Diese religiöse Bewegung, die sich auf den mythischen Dichter Orpheus berief, glaubte an die Wanderung und Wiedergeburt der Seele – in menschlichen wie tierischen Körpern. Durch eine enthaltsame Lebensweise, die Fleisch, Eier und Wolle vermied, wollten sie sich aus diesem Kreislauf befreien.
Ahimsa in Indien
Im antiken Indien entwickelte sich parallel das Konzept des Ahimsa – der Gewaltlosigkeit gegenüber allen lebenden Wesen. Dieses Prinzip ist tief in Hinduismus, Buddhismus und Jainismus verankert und prägt bis heute die Ernährungsweise von Millionen Menschen. Mit etwa 40% hat Indien heute den höchsten Anteil an Vegetariern weltweit.
Überraschung aus dem alten Ägypten
Ein Forscherteam aus Frankreich fand heraus, dass sich bereits die alten Ägypter vor circa 3.500 Jahren überwiegend von Gemüse und Getreide ernährten – möglicherweise eine der ältesten dokumentierten pflanzlichen Ernährungsweisen.
Die Renaissance des Vegetarismus
Leonardo da Vinci – vegetarischer Visionär
Nach der Antike geriet die fleischfreie Ernährung in Europa weitgehend in Vergessenheit. Eine bemerkenswerte Ausnahme war Leonardo da Vinci (1452–1519), der als überzeugter Vegetarier lebte. Der Universalgelehrte war seiner Zeit in vielem voraus – auch in seinen ethischen Überzeugungen gegenüber Tieren.
Der Aufbruch im 18. und 19. Jahrhundert
Ab dem 18. Jahrhundert erlebte der Vegetarismus in England und Amerika eine Wiedergeburt:
- 1801: Gründung des ersten Vegetarier-Vereins in London
- 1806: Dr. William Lambe und Percy Bysshe Shelley sprechen sich als erste Europäer auch gegen Eier und Milchprodukte aus
- 1847: Die Vegetarian Society of the United Kingdom wird gegründet
- 1850: Gründung der American Vegetarian Society durch Sylvester Graham
Die Bewegung in Deutschland
In Deutschland spielte der Heilpraktiker Theodor Hahn eine wichtige Rolle. 1860 behandelte er seine Klienten bereits mit fleischfreier Ernährung. 1867 wurde der "Verein für natürliche Lebensweise" gegründet, der sich später mit anderen Vereinen zum VEBU (heute ProVeg) zusammenschloss.
Die Geburt des Veganismus: November 1944
Donald Watson – der Vater des Veganismus
Der entscheidende Moment in der Geschichte des Veganismus kam am 1. November 1944 in Birmingham, England. Donald Watson (1910–2005) berief ein Treffen mit fünf anderen "Non-Dairy Vegetarians" ein – Menschen, die nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Milchprodukte verzichteten.
Watson wurde bereits als Kind geprägt: Ein Besuch auf dem Bauernhof seines Onkels George, wo er die Schlachtung eines Schweins miterlebte, veränderte seine Sicht auf das Landleben für immer. Mit 14 Jahren wurde er Vegetarier, etwa 18 Jahre später verzichtete er auch auf Milchprodukte.
Wie das Wort "vegan" entstand
Die Gruppe um Watson suchte nach einem prägnanten Begriff für ihre Lebensweise. "Non-dairy vegetarian" war zu sperrig. Vorschläge wie "dairyban", "vitan" oder "benevore" wurden verworfen.
Die Lösung war so einfach wie genial: VEG-AN – die ersten drei und letzten zwei Buchstaben von "veg-etari-an". Watson beschrieb es als "den Anfang und das Ende des Vegetarismus".
Am selben Tag wurde die Vegan Society gegründet, die bis heute existiert und den Veganismus weltweit fördert.
Die offizielle Definition (1988)
Die heute gültige Definition von Veganismus wurde 1988 von der Vegan Society festgelegt:
"Eine Philosophie und Lebensweise, die – so weit wie möglich und praktikabel – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeit gegenüber Tieren für Nahrung, Kleidung oder andere Zwecke ausschließt und die Entwicklung und Nutzung tierfreier Alternativen fördert."
Der Boom seit 2014
Vom Nischendasein zum Mainstream
Die vegane Bewegung hat in den letzten zehn Jahren einen beispiellosen Aufschwung erlebt:
- Großbritannien: Die Zahl der Veganer hat sich zwischen 2014 und 2019 vervierfacht
- Veganuary: Von etwa 3.000 Teilnehmenden 2014 auf über 350.000 im Jahr 2020
- Google-Suchen: 2016 stiegen Suchanfragen nach "vegan" um 90%
- Deutschland: Mittlerweile leben über 1,5 Millionen Menschen vegan – rund 170.000 mehr als noch 2021
Wissenschaftliche Anerkennung
Ein Meilenstein war das DGE-Positionspapier 2024: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bestätigt, dass eine gut geplante vegane Ernährung für gesunde Erwachsene gesundheitsförderlich sein kann. Mehr dazu in unserem Guide zur veganen Ernährung.
Umwelt als Treiber
Die DGE hebt hervor, dass vegane Ernährung besonders umweltfreundlich ist und Treibhausgase um etwa 70-80% reduzieren kann. In Zeiten der Klimakrise wird dieser Aspekt immer wichtiger.
Veganismus heute und morgen
Die Geschichte des Veganismus zeigt: Es handelt sich nicht um ein starres Dogma, sondern um eine dynamische Bewegung, die sich stetig weiterentwickelt.
Was treibt die Bewegung voran?
- Technologische Fortschritte bei pflanzlichen Alternativprodukten
- Wachsendes Bewusstsein für Umwelt und Tierschutz
- Wissenschaftliche Studien zu Gesundheitsvorteilen
- Bessere Verfügbarkeit veganer Produkte im Supermarkt
Von Pythagoras über Donald Watson bis zur heutigen Generation – die vegane Idee hat Jahrtausende überdauert und ist relevanter denn je. Bist du bereit, Teil dieser Geschichte zu werden? Dann schau dir unseren Einstiegs-Guide an!
Quellen: