Vegane Kosmetik: Tierische Inhaltsstoffe erkennen und vermeiden
Der vegane Lifestyle umfasst mehr als die Ernährung – auch die Kosmetikschublade macht einen Unterschied. Wer INCI-Listen auf Cremes, Lippenstiften und Shampoos liest, stößt schnell auf Begriffe, hinter denen sich tierische Inhaltsstoffe verbergen. Laut ÖKO-TEST enthalten selbst viele als "natürlich" beworbene Produkte Bienenwachs, Lanolin oder Karmin. Dieser Guide zeigt dir, worauf du achten musst.
Vegan vs. tierversuchsfrei: Was ist der Unterschied?
Zwei Begriffe werden häufig verwechselt, bedeuten aber Unterschiedliches:
- Vegan: Das Produkt enthält keine Inhaltsstoffe tierischer Herkunft.
- Tierversuchsfrei (cruelty-free): Das Produkt und seine Zutaten wurden nicht an Tieren getestet.
Ein Produkt kann vegan sein, aber auf Tierversuchen basieren – oder umgekehrt. Nur bestimmte Siegel garantieren beides. Für vegane Konsument:innen in Österreich bietet VEGAPLANT.at eine hilfreiche Übersicht zu österreichischen und internationalen Siegeln.
Die häufigsten tierischen Inhaltsstoffe in Kosmetik
Diese Inhaltsstoffe finden sich am häufigsten – und sind oft schwer zu erkennen, weil ihre INCI-Namen wenig aussagekräftig klingen:
| Inhaltsstoff | INCI-Name | Herkunft |
|---|---|---|
| Bienenwachs | Cera Alba, Cera Flava | Bienen |
| Lanolin / Wollfett | Lanolin, Lanolin Alcohol | Schafe |
| Karmin / Cochenille | CI 75470, Carmine, Cochineal | Schildläuse |
| Kollagen | Collagen | Schlachttiere, Fisch |
| Keratin | Keratin | Hufe, Federn, Hörner |
| Elastin | Elastin | Tierhaut und -gewebe |
| Seide | Silk, Sericin | Seidenraupen |
| Glycerin (tierisch) | Glycerin, Glycerol | Rindertalg (kann auch pflanzlich sein!) |
| Hyaluronsäure (tierisch) | Sodium Hyaluronate | Hahnenkämme (kann auch biotechnologisch sein!) |
| Schellack | Shellac | Lackschildläuse |
PETA Deutschland führt eine ausführliche Liste aller bekannten tierischen INCI-Namen.
Greyzonen: Glycerin und Hyaluronsäure
Zwei Inhaltsstoffe sorgen für besondere Verwirrung, weil sie sowohl tierisch als auch pflanzlich sein können:
Glycerin wird industriell aus pflanzlichen Ölen (z. B. Rapsöl) oder als Nebenprodukt der Fleischverarbeitung aus Rindertalg gewonnen. Die INCI-Liste verrät die Herkunft nicht – nur ein veganes Siegel oder die Auskunft des Herstellers hilft weiter.
Hyaluronsäure wird heute häufig biotechnologisch durch Fermentation hergestellt und ist dann vegan. Laut V-Label ist biotechnologisch hergestellte Hyaluronsäure dabei oft sogar effektiver als tierische Varianten, da sie gleichmäßiger in der Haut verteilt wird.
Wie erkenne ich wirklich vegane Kosmetik?
Die verlässlichsten Siegel im Überblick
CodeCheck betont: Ohne offizielles Siegel ist eine sichere Einordnung schwierig. Die wichtigsten Zertifizierungen:
Veganblume (Vegan Society) – Das einzige Siegel, das sowohl vegane Inhaltsstoffe als auch Tierversuchsfreiheit garantiert. Strenge Kriterien, international anerkannt.
V-Label (ProVeg) – Steht für vegane Inhaltsstoffe, in Europa weit verbreitet.
PETA Approved Vegan – PETA's Zertifikat für Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe und ohne Tierversuche. Die geprüfte Liste findest du auf peta-approved.de.
Leaping Bunny – Garantiert Tierversuchsfreiheit, aber nicht automatisch vegane Inhaltsstoffe.
Apps als schnelle Hilfe im Alltag
Die App CodeCheck (iOS/Android) macht es einfach: Barcode scannen – die App zeigt tierische Inhaltsstoffe, Schadstoffe und vorhandene Siegel. INCI Beauty und Think Dirty bieten ähnliche Funktionen für den Alltag.
Vegane Alternativen: Genauso wirksam, ohne Tierleid
Laut Euphoriel Beauty sind pflanzliche und synthetische Alternativen heute mindestens genauso wirksam wie die tierischen Pendants – und oft besser verträglich:
- Statt Lanolin → Jojoba-Öl, Sheabutter oder Candelilla-Wachs. Jojoba-Öl wird besonders schnell von der Haut aufgenommen.
- Statt Bienenwachs → Carnaubawachs (aus Palmblättern) oder Candelilla-Wachs – beide mit sehr ähnlichen Eigenschaften.
- Statt Karmin → Rote-Bete-Extrakt, Anthocyane aus Beeren oder synthetische Farbstoffe.
- Statt tierischem Kollagen → Phytokollagen aus Algen oder pflanzliche Kollagen-Booster (Vitamin C, Peptide aus Soja und Weizen).
- Statt Keratin → Weizenprotein, Sojaprotein oder Reisprotein für Haarpflegeprodukte.
- Statt tierischer Hyaluronsäure → Biotechnologisch hergestellte Hyaluronsäure, vegan-identisch in der Wirkung.
Naturkosmetik ist nicht gleich vegane Kosmetik
Ein häufiger Irrtum: "Naturkosmetik" klingt nach Pflanzen – ist es aber nicht zwingend. Der Begriff ist in der EU nicht geschützt. Selbst NATRUE- und BDIH-zertifizierte Naturkosmetik erlaubt Inhaltsstoffe wie Bienenwachs, Honig oder Seidenproteine. Wer wirklich vegan einkaufen möchte, sollte daher gezielt auf vegane Siegel achten – nicht auf "Naturkosmetik"-Aufdrucke.
Vegane Kosmetik in Österreich
In Österreich findest du vegane Kosmetik inzwischen in jedem dm und Bipa, und viele österreichische Hersteller wie Ringana arbeiten vollständig vegan. VEGAPLANT.at hat eine österreichspezifische Übersicht veganer und tierversuchsfreier Marken.
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Häufige Fragen
- Was sind die häufigsten tierischen Inhaltsstoffe in Kosmetik?
- Die häufigsten tierischen Inhaltsstoffe in Kosmetik sind: Lanolin (Wollfett aus Schafwolle), Bienenwachs (Cera alba), Karmin/Cochenille (E120, roter Farbstoff aus Schildläusen), Kollagen (aus Schlachttieren oder Fisch), Hyaluronsäure tierischer Herkunft (aus Hahnenkämmen), Glycerin tierischer Herkunft (aus Rindertalg) und Keratin (aus Hufen, Federn, Hörnern). All diese Stoffe haben pflanzliche oder synthetische Alternativen.
- Wie erkenne ich vegane Kosmetik sicher?
- Die sichersten Zeichen für vegane Kosmetik sind offizielle Siegel: Die Veganblume der Vegan Society garantiert vegane Inhaltsstoffe UND Tierversuchsfreiheit. Das V-Label (VEBU/ProVeg) steht für vegane Produkte. PETA's "PETA Approved Vegan"-Zertifikat ebenfalls. Wichtig: "Cruelty-free"-Siegel allein garantieren keine veganen Inhaltsstoffe! Die App CodeCheck scannt Barcodes und kennzeichnet tierische Inhaltsstoffe.
- Ist "Naturkosmetik" automatisch vegan?
- Nein – "Naturkosmetik" ist kein geschützter Begriff und bedeutet nicht automatisch vegan. Viele Naturkosmetikprodukte enthalten Bienenwachs, Lanolin, Honig oder Seiden-Extrakte. Auch NATRUE- oder BDIH-zertifizierte Produkte können tierische Inhaltsstoffe enthalten, solange diese nicht aus Schlachtprozessen stammen. Immer die INCI-Liste prüfen oder auf ein spezifisch veganes Siegel achten!
- Was ist der Unterschied zwischen vegan und tierversuchsfrei?
- Vegan bedeutet: keine tierischen Inhaltsstoffe im Produkt. Tierversuchsfrei (cruelty-free) bedeutet: das Produkt und seine Inhaltsstoffe wurden nicht an Tieren getestet. Beides ist unabhängig voneinander – ein Produkt kann vegan sein, aber trotzdem Tierversuche in der Entwicklung gehabt haben. Und umgekehrt. Nur die Veganblume der Vegan Society vereint beide Kriterien in einem Siegel.
- Welche INCI-Namen weisen auf tierische Inhaltsstoffe hin?
- Wichtige INCI-Namen für tierische Inhaltsstoffe: Cera Alba oder Cera Flava (Bienenwachs), Lanolin oder Lanolin Alcohol (Wollfett), CI 75470 oder Carmine oder Cochineal (Schildlaus-Farbstoff), Collagen (tierisches Kollagen), Elastin (aus Tierhaut), Keratin (aus Tierhaar und -federn), Silk oder Sericin (Seide), Tallow oder Sodium Tallowate (Rindertalg). Glycerin und Hyaluronsäure können tierisch ODER pflanzlich bzw. synthetisch sein – hier hilft nur das Siegel oder Nachfragen beim Hersteller.
- Gibt es gute Apps zum Prüfen von Kosmetik auf tierische Inhaltsstoffe?
- Ja! CodeCheck (codecheck.info) ist die bekannteste App in Deutschland und Österreich – Barcode scannen, und die App zeigt dir tierische Inhaltsstoffe, Schadstoffe und Siegel. Auch INCI Beauty und Think Dirty sind hilfreich. PETA's offizielle Liste unter peta-approved.de enthält Marken, die schriftlich zugesichert haben, komplett vegan und tierversuchsfrei zu arbeiten.
- Welche veganen Alternativen gibt es zu den gängigen tierischen Inhaltsstoffen?
- Lanolin kann durch Jojoba-Öl, Sheabutter oder Candelilla-Wachs ersetzt werden. Bienenwachs durch Carnaubawachs oder Candelilla-Wachs. Kollagen durch Phytokollagen aus Algen oder pflanzliche Kollagen-Booster. Karmin durch Rote-Bete-Extrakt oder Beeren-Pigmente. Hyaluronsäure durch biotechnologisch hergestellte Hyaluronsäure (vegan-identisch, oft sogar effektiver). Keratin durch Weizen-, Soja- oder Reisproteine.