Sind Süßstoffe vegan? Aspartam, Stevia & Co. im Check

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Ob im Light-Joghurt, zuckerfreien Kaugummi oder kalorienarmen Limo – Süßstoffe sind heute in vielen Lebensmitteln zu finden. Für Menschen, die sich vegan ernähren, stellt sich unweigerlich die Frage: Sind Süßstoffe überhaupt vegan? Die Antwort ist nuancierter als man denkt.

Was sind Süßstoffe?

Süßstoffe sind Substanzen, die süß schmecken, aber kaum Kalorien liefern. Das Lebensmittelrecht unterscheidet:

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) prüft und bewertet alle zugelassenen Süßstoffe regelmäßig neu.

Sind Süßstoffe von Haus aus vegan?

Ja – die meisten synthetischen Süßstoffe enthalten keine tierischen Zutaten. Aspartam besteht aus zwei synthetisch hergestellten Aminosäuren. Saccharin, Acesulfam K und Sucralose sind vollständig synthetisch. Stevia wird aus den Blättern der gleichnamigen Pflanze gewonnen.

Sie erfüllen damit das Kriterium „keine tierischen Inhaltsstoffe", das bei Lebensmitteln für die Bezeichnung „vegan" ausschlaggebend ist. Für viele Veganer ist damit die Frage beantwortet. Aber es gibt eine zweite Ebene.

Das Thema Tierversuche bei Süßstoffen

Für die behördliche Zulassung von Lebensmittelzusatzstoffen verlangen EU und FDA Sicherheitsnachweise. Diese beruhen traditionell auf Tierversuchen. Wie vegpool.de erklärt, bedeutet „vegan" bei Lebensmitteln nicht automatisch „tierversuchsfrei".

Im Überblick:

Süßstoff E-Nummer Tierversuche bei Zulassung Pflanzlicher Ursprung
Aspartam E951 Ja Nein (synthetisch)
Saccharin E954 Ja Nein (synthetisch)
Acesulfam K E950 Ja Nein (synthetisch)
Cyclamat E952 Ja Nein (synthetisch)
Stevia E960 Keine neuen seit 2008 Ja (Stevia-Pflanze)
Erythrit Minimal Ja (Fermentation)
Xylit Ja Ja (Birkenholz)

Laut einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit in PMC wurden alle gängigen synthetischen Süßstoffe im Zuge ihrer Sicherheitsbewertung an Tieren getestet – das ist ein gesetzlich verankertes Verfahren, keine Entscheidung der Hersteller.

Stevia: die beste Option unter den intensiven Süßstoffen

Stevia (E960) nimmt eine Sonderstellung ein. Es stammt direkt aus der Stevia-Pflanze und die FDA hält fest, dass keine neuen Tierversuche für die Zulassung von Stevia-Extrakten notwendig sind. Damit ist Stevia sowohl in den Zutaten als auch im Zulassungsverfahren vegan-freundlicher als synthetische Alternativen.

Wichtig beim Kauf: Viele Stevia-Produkte enthalten Erythrit oder Maltodextrin als Trägerstoff. Erythrit wird durch Fermentation aus pflanzlichen Zuckern (meist Mais) gewonnen und gilt als vegan. Maltodextrin ist ebenfalls pflanzlich.

Was Vegan-Siegel wirklich aussagen

Nicht jedes „vegan"-Label auf einer Verpackung schließt Tierversuche ein. Die Unterschiede sind relevant:

Siegel Tierversuche ausgeschlossen?
V-Label (Europäische Vegetarische Union) Ja, explizit
Vegan Society (Sonnenblume) Ja, explizit
Eigendeklaration „vegan" auf Verpackung Nein – nur Zutaten

Ein Produkt mit synthetischen Süßstoffen und V-Label ist laut vegpool.de damit auch in der Tierversuchsfrage geprüft. Das ist ein verlässlicher Orientierungspunkt.

Natürliche vegane Alternativen ohne Tierversuchsfragen

Wer die ganze Frage elegant umgehen möchte, greift zu natürlichen Süßungsmitteln. Sie sind eindeutig pflanzlich und ohne behördliche Zulassungs-Tierversuche:

Einen ausführlichen Vergleich mit GI-Werten und Backeigenschaften findest du in unserem Süßungsmittel-Lexikon. Den vollständigen Kaufguide für Österreich gibt es unter vegane Süßungsmittel kaufen.

Süßstoffe im veganen Backalltag

Für veganes Backen ohne raffinierten Zucker empfehlen wir natürliche Süßungsmittel: Sie bringen Süße, aber auch Feuchtigkeit und Aroma. Das ist besonders wichtig, weil vegane Backrezepte oft ohne Ei und Butter auskommen. Dattelmus macht Rührkuchen saftig, Kokosblütenzucker gibt Muffins eine leichte Karamellnote.

Konkrete Rezepte und Mengenangaben zum Ersetzen von Zucker findest du unter veganer Kuchen ohne Zucker.

Ob weißer Haushaltszucker überhaupt vegan ist (Stichwort: Knochenkohle), klären wir separat unter ist weißer Zucker vegan?.

Fazit: Süßstoffe und vegane Ernährung

Synthetische Süßstoffe sind in den Zutaten vegan – das steht fest. Die Frage, ob sie auch im umfassenderen veganen Sinne (inkl. Tierversuche) vertretbar sind, hängt von der persönlichen Haltung ab. Stevia ist unter den intensiven Süßstoffen die klarste Wahl: pflanzlich und ohne neue Tierversuche. Noch einfacher ist der Griff zu natürlichen Süßungsmitteln wie Kokosblütenzucker oder Dattelmus – sie sind eindeutig pflanzlich, vielseitig einsetzbar und frei von dieser Diskussion.

Beim Einkauf: Produkte mit V-Label oder dem Sonnenblumen-Siegel der Vegan Society sind auch in der Tierversuchsfrage sicher.

Quellen:

Häufige Fragen

Sind Süßstoffe vegan?
Chemisch betrachtet enthalten die meisten Süßstoffe keine tierischen Zutaten – sie gelten damit als vegan im Sinne der Zutaten. Allerdings wurden viele synthetische Süßstoffe wie Aspartam, Saccharin und Acesulfam K im Rahmen ihrer behördlichen Zulassung durch Tierversuche geprüft. Wer „vegan" umfassend lebt und auch Tierversuche ablehnt, findet in Stevia und natürlichen Süßungsmitteln die bessere Wahl.
Wurde Aspartam an Tieren getestet?
Ja. Aspartam (E951) wurde vor seiner EU-Zulassung umfangreichen Tierversuchen unterzogen, da die europäischen Behörden Sicherheitsnachweise verlangen. Die EFSA hat 2023 eine neue Sicherheitsbewertung veröffentlicht. Die Substanz selbst enthält keine tierischen Zutaten, ist aber durch das Zulassungsverfahren mit Tierversuchen verbunden.
Ist Stevia vegan?
Ja, reines Stevia (Rebaudiosid A, E960) ist pflanzlichen Ursprungs und gilt als vegan. Die FDA erklärte 2008, dass keine weiteren Tierversuche für Stevia erforderlich sind. Achte auf die Zutatenliste: Viele Stevia-Produkte enthalten Erythrit als Trägerstoff – auch dieses gilt als vegan, da es durch Fermentation gewonnen wird.
Was bedeutet 'vegan' bei Lebensmitteln mit Süßstoffen?
Bei Lebensmitteln bedeutet „vegan" in der Regel, dass keine tierischen Zutaten enthalten sind. Das schließt keine Aussage über Tierversuche ein – anders als bei zertifizierter Kosmetik. Das V-Label und das Siegel der Vegan Society schließen Tierversuche explizit aus. Bei Produkten mit synthetischen Süßstoffen ist ein solches Siegel daher ein hilfreicher Orientierungspunkt.
Welche Süßstoffe sind für Veganer am unproblematischsten?
Stevia ist die erste Wahl: pflanzlichen Ursprungs, minimal verarbeitet, keine neuen Tierversuche seit 2008. Erythrit wird durch Fermentation aus pflanzlichen Zuckern gewonnen und ist ebenfalls vegan. Für das Backen sind natürliche Süßungsmittel wie Kokosblütenzucker, Dattelmus oder Ahornsirup praktischer – eindeutig pflanzlich und ohne Zulassungs-Tierversuche.
Welche natürlichen veganen Alternativen gibt es zu Süßstoffen?
Natürliche vegane Süßungsmittel sind Kokosblütenzucker (1:1 austauschbar, enthält Inulin), Ahornsirup (reich an Antioxidantien), Dattelmus (ballaststoffreich), Agavendicksaft (hohe Süßkraft) und Reissirup (mild im Geschmack). Für kalorienarme Optionen: Erythrit (fermentiert, kalorienfrei) und Xylit (aus Birkenholz). Alle diese Optionen enthalten keine tierischen Zutaten und sind ohne Zulassungs-Tierversuche.